19.-27.09.2025, Safaga. Ägypten
Alle Jahre wieder heisst es für die Tauchgruppe von HSA-Switzerland: Koffer packen, Tauchmaterial verstauen und ab ans Rote Meer in Ägypten. Dieses Jahr sind wieder zwei Rollstuhltaucherinnen, ihre Begleiterinnen und Begleiter und eine gehörige Portion Vorfreude dabei.
Unser Flug ab Zürich geht um 06.30 Uhr, Besammlung ist bereits um 04.00 Uhr. Für einige beginnt die Reise sogar schon kurz nach Mitternacht mit der Fahrt zum Flughafen. Entsprechend verschlafen, aber voller Vorfreude, treffen nach und nach alle am Flughafen ein.
Zum ersten Mal fliegen wir mit Chair und sind gespannt, wie Check-in, Boarding und der Flug mit unseren Rollstuhltaucherinnen funktionieren. Erstaunlicherweise läuft alles problemlos. Beim Boarding dürfen wir sogar in den ersten Reihen Platz nehmen – ein Glücksfall, wie sich später herausstellt.
Denn nach der Landung in Hurghada wartet die erste Überraschung: Der bereitgestellte Boardrollstuhl ist für den Flugzeuggang zu breit. Also wird kurzerhand improvisiert: Sandra und Olya werden von unseren starken Männern bis zum Cockpit getragen, wo ihre eigenen Rollstühle bereitstehen.
Weiter geht es per Pickup und Minibus nach Safaga. Dort wartet bereits die nächste Herausforderung: Die versprochenen barrierefreien Zimmer sind noch nicht verfügbar. Die Alternative sind normale Zimmer. Kein Komfort, da alles sehr eng mit den Rollstühlen, aber es reicht gerade so als Notlösung. Also wird wieder improvisiert. In beiden Zimmern müssen dafür die Badezimmertüren inklusive Scharnieren ausgebaut werden, damit die Frauen mit ihren Rollstühlen überhaupt ins Bad kommen. Auch bei der Eingangstüre müssen die Schwellen angepasst werden.
Die Umbauarbeiten brauchen Zeit. Erst um 16.30 Uhr gibt es endlich Mittagessen.
Danach geht es zur Tauchbasis – und nun können die Ferien wirklich beginnen!
Am nächsten Morgen steht der erste Tauchgang an. Doch auch hier wartet eine kleine Überraschung: Olyas Tarierjacket mit Hub-System streikt.
Zum Glück gibt es eine Lösung: Wir wechseln kurzerhand auf den vorhandenen Inflator. Olya kann damit die Tarierung nicht mehr selbstständig betätigen. Für genau solche Situationen sind wir HSA Dive Buddies und Instruktor:innen jedoch geschult – und unterstützen sie entsprechend beim Tauchgang.
Am Abend wird das Problem genauer angeschaut und das Ventil repariert. Damit ist auch dieses Problem gelöst.
Unterdessen entdeckt Ruslana, Olyas Begleiterin, ihre Begeisterung fürs Tauchen. Nach einem Schnuppertauchgang am Morgen vom zweiten Tag möchte sie am Nachmittag gleich nochmals ins Wasser. Der Tauchvirus hat offenbar zugeschlagen.
Auch Olyas beschlagene Maske sorgt für Gesprächsstoff. Zahnpasta und Antifog bringen nicht den gewünschten Erfolg. Also wird die Maske fachmännisch ausgeflämmt – und siehe da: Es wirkt!
Ab dem dritten Tag läuft alles rund. Wir können uns ganz auf das konzentrieren, weshalb wir hier sind: das Tauchen.
Das Rote Meer zeigt sich von seiner schönsten Seite. Wir entdecken unzählige bunte Fische, Muränen, Kaiserfische, Wimpelfische, Muräne, Schnecken und viele weitere Bewohner der faszinierenden Unterwasserwelt.
Zur Halbzeit steht für unsere beiden Rollstuhltaucherinnen der obligatorische tauchfreie Tag auf dem Programm. An diesem Pausentag sollen sich die mit Stickstoff aufgesättigten Gewebe vollständig entsättigen. Durch die verringerte Durchblutung kann der Stickstoff langsamer abgebaut werden, weshalb dieser zusätzliche Ruhetag besonders wichtig ist. Während sie sich am Pool oder beim Schnorcheln entspannen, gehen die Helferinnen und Helfer tauchen: einige verbringen den Tag vom Tauchboot und andere am Hausriff.
So kommt jede und jeder auf seine Kosten.
Danach wechseln die Buddy-Teams. Das ist uns wichtig, damit im Laufe der Ferien alle Helferinnen und Helfer einmal mit beiden Rollstuhltaucherinnen getaucht sind.
Leider macht uns in der zweiten Hälfte der Wind zunehmend einen Strich durch die Rechnung. Die Wellen werden stärker, und Ausfahrten zu den Aussenriffen wären mit den Rollstühlen zu unangenehm oder sogar gefährlich. Also bleiben wir an den Innenriffen.
Weniger spektakulär? Vielleicht. Aber auch dort gibt es viel zu entdecken.
Und dann kommt der Moment, mit dem niemand gerechnet hat.
Am letzten Tauchtag schwimmt während der Mittagspause plötzlich ein Walhai an unserem Riff vorbei.
Einige verschlafen die Action – alle anderen schnappen sich Flossen, Maske und Kamera. Der Captain reagiert sofort und bringt uns mit dem Zodiak näher an das riesige Tier heran.
Dann heisst es: rein ins Wasser!
Plötzlich sind wir mittendrin und dürfen den Walhai beim Schnorcheln aus nächster Nähe erleben. Ein unglaubliches Erlebnis!
Fast niemand aus unserer Gruppe hatte bisher die Gelegenheit, einen Walhai so hautnah zu erleben – obwohl einige von uns bereits beinahe 1000 Tauchgänge absolviert haben und viele davon im Roten Meer.
Was für ein Abschluss!
Als wäre die Walhai-Begegnung nicht schon Höhepunkt genug, steht danach noch der Abschlusstauchgang auf dem Programm.
Die Strömung ist heftig und wir kommen nur langsam vorwärts. Unsere Helferinnen und Helfer müssen ordentlich arbeiten und entsprechend schnell sind auch die Nitroxvorräte aufgebraucht.
Anstrengend ist der Tauchgang definitiv – genossen haben wir ihn trotzdem.
Am Abend feiern wir unsere gelungene Tauchwoche. Wir schreiben Logbücher, tauschen Geschichten aus und stossen auf die vielen kleinen und grossen Erlebnisse an. Natürlich darf auch das tägliche Dekobier nicht fehlen.
Am nächsten Morgen heisst es packen. Gepäck, Tauchmaterial, Rollstühle und Rollstuhltaucherinnen müssen irgendwie in Pickup und Bus verstaut werden. Es gleicht einem kleinen Tetris-Spiel – aber natürlich passt alles hinein.
Am Flughafen checken wir schliesslich sage und schreibe 18 Gepäckstücke ein.
Wir blicken zurück auf eine Ferienwoche voller Improvisation, kleiner Pannen, grosser Hilfsbereitschaft, wunderbarer Tauchgänge und vieler gemeinsamer Erlebnisse.
Und natürlich auf einen Walhai, den so schnell niemand von uns vergessen wird.
Alle Jahre wieder Tauchferien mit HSA-Switzerland – und wir freuen uns schon jetzt auf das nächste Abenteuer!
Nicole Schlemmer